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Bulletin 

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Forschungsgrabungen in Mexiko
   
27. April 2015:

Lieber Mitglieder des Museumsvereins

Es hat nicht sein wollen: In unserem neuen Haus in Hopelchen hatten wir dieses Jahr keinen Internetzugang und im "Internetcafé" des Städtchens war die Leitung abends meist so quälend langsam, dass der Schweiss schon beim dritten Loginversuch in Strömen floss. Apropos Hitze: Diese war gewaltig in den vergangenen vier Wochen, am letzten Weekend stieg das Thermometer auf 44 Grad, im Schatten wohl verstanden. Logisch also, versuchten wir die relativ frischen Morgenstunden auszunutzen auf dem Sitio: Tagwache um 4 Uhr, Abfahrt um 5 Uhr, Ankunft im Dschungel in Dzehkabtun um 6 Uhr. Bis 10 Uhr war es dann angenehm zu arbeiten. Danach überlegt man sich genau, ob man das Gerät wirklich nochmals umstellen muss, oder ob es vielleicht leichtere Messvarianten gibt. Mein Mitarbeiter Rolando Yah und ich haben 19 Mayaruinen skizziert und eingemessen; insgesamt sind wir jetzt bereits bei 452 Architekturen angelangt. Eine stattliche Anzahl, doch warten im nächsten Jahr noch einige Stadtgebiete auf die beiden Vermesser. Die Grabung in einem Gebäude zeitigte fantastische Funde: Bestattungen mit Beigaben, darunter mehrere Dreifussteller, zwei davon vollständig erhalten und wunderbar bemalt, klassisch Maya eben. Der tollste Fund war die Ofrenda von 9 exzentrischen Silices; erstmals überhaupt ist eine solche Gabe an die Götter im Kontext ausgegraben worden. Allein die Anordnung der fantastisch bearbeiteten Steine ist von höchstem Interesse: Meines Erachtens zeigt sie eine klar anthropomorphe Form, wahrscheinlich die Form des Regengottes Chaac. Dieser Fund wird wahrscheinlich bereits dieses Jahr publiziert und dürfte grosses Aufsehen erregen.

Mit Ausnahme eines Nasenbruches infolge eines Sturzes blieben wir vor Verletzungen verschont. Auch die Tiere hielten sich vornehm zurück; eine Ausnahme bildeten die zahlreichen Skorpione und natürlich die Mücken in unserem Haus... Einmal mussten wir gar zwei blutjunge Zicklein, die sich im Wald verirrt hatten und völlig entkräftet in einer Ruine sassen, vor dem sicheren Tod (Puma) retten. Wir haben sie durch den Wald in die Nähe ihres Corals getragen wie weiland die klassischen Schafsträger, wo dann ihre Mutter laut meckernd die verlorenen Kinder abholen kam. Aufgrund dieser Aktion mussten wir danach zu Hause zahlreiche Zecken, die von den Tieren auf uns gekrabbelt waren, von uns pflücken.

Ja, es war eine höchst spannende Zeit und nun wartet bereits wieder das Allerheiligen mit anderen Projekten. An einem Weekend in Merida morgens um drei habe ich erfahren, dass wir eine neue Direktorin haben und habe im Innenhof gleich ein erstes Interview von ihr gehört. Vamos a ver… Saludos cordiales y hasta presto Werner, alias Radio Suiza como me llaman a Dzehkabtun.

Werner Rutishauser

 
 
 
 
 
   

22. März 2015:
Leichte Regenschauer erleichtern das Akklimatisieren


Gestern ist Werner Rutishauser nach Hopelchén und Dzehkabtún gereist. Noch konnte er sich mit uns nicht in Verbindung setzen. Ein Blick auf die globale Wetterkarte beruhigt uns aber insofern, als er weder frieren noch unter unerträglicher Hitze leiden muss.

Auf 38 Grad steigt heute Sonntag das Thermometer auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán, das ist, bei leichtem Wind und leichter Bewölkung, keineswegs unangenehm. Nachts wird es nicht unter 20 Grad fallen, gewöhnungsbedürftig vielleicht, doch die Archäologinnen und Archäologen des Ibero-Amerikanischen Berlin sind ja nicht zum ersten Male hier. Werner Rutishauser ist übrigens der einzige Schweizer in dieser internationalen Truppe. Er ist als Vermessungstechniker engagiert mit dem Ziel, dieses Jahr die Vermessung des Stadtzentrums abzuschliessen. Gleichzeitig will er einen Maya weiter in die Vermessungstechnik einführen, sich selbst also mit der Zeit ersetzbar machen. Die Arbeit der europäischen Archäologen in Mexiko wird nur dann nachhaltig sein, wenn sie gleichzeitig Hilfe zur Selbsthilfe ist.

Doch wir sprachen eigentlich vom Wetter: Mexiko ist, klimatisch betrachtet, eine vielfältige Republik. Das rührt von den diversen Höhenunterschieden und der Nähe zum Ozean her. Während im Westen tropisches Klima herrscht, stossen wir an der Ostküste auf ein subtropisches Klima. Auf der Halbinsel Yucatán herrscht ein feuchtwarmes Klima mit Lufttemperaturen zwischen 25 und 35 Grad Celsius vor. Die Regenzeit, in der es vormittags oder am frühen Abend zu kurzen, aber heftigen Schauern kommt, beginnt im Mai und endet im Oktober; zwischen August und Oktober sind tropische Wirbelstürme, Hurrikans, möglich. Von November bis April scheint auf Yucatán fast immer die Sonne, als beste Reisezeit gilt November bis März. Die Wassertemperaturen bewegen sich fast das ganze Jahr über um die 26 Grad.

Dass es im März zu leichten Regenschauern kommt wie am Dienstag (0, 6 mm), Mittwoch (0,4 mm) und Donnerstag (1,5 mm) ist also eher ungewöhnlich, aber fürs Akklimatisieren ist das vielleicht geradezu ideal.
Andreas Schiendorfer

 
 

18. März 2015:
Ruinenstadt bei den fünf Brunnen der Maya


Zum dritten Mal nimmt Werner Rutishauser, Kurator der Sammlung Ebnöther, ab kommendem Samstag an einer Forschungsgrabung in den Ruinen von Dzehkabtún auf der Halbinsel Yucatán teil. In losen Abständen wird er uns von seiner Arbeit als Vermessungstechniker unter schwierigsten klimatischen Bedingungen erzählen, uns auf eine Zeitreise in die epi-klassische Mayakultur mitnehmen, doch hoffentlich auch vom heutigen Leben im mexikanischen Städtchen Hopelchén – dieser alte Mayaname bedeutet „fünf Brunnen“ – berichten.

Wer an die faszinierende Hochkultur der Maya denkt, hat zweifellos nicht sofort Dzehkabtún auf seinem Radar; das wird sich im Laufe der nächsten Wochen vermutlich ändern, denn Dzehkabtún, das architekturstilistische Merkmale der Chenes- und Puuc-Region in sich vereint, hat noch längst nicht alle seine Geheimnisse preisgegeben.

Aus europäischer Sicht entdeckt wurde es 1887 durch Teobert Maier, der auf einer seiner Reisen durch Yucatán erste Skizzen und Fotografien dieser Ruinenstadt anfertigte. Zwar besuchten im Laufe des 20. Jahrhunderts weitere Forscher diesen Ort, doch erst Dr. Iken Paap von der Universität Bonn begann 2007/2008, den Fundort in seiner Gesamtheit zu dokumentieren und zu untersuchen. Diese Voruntersuchungen mündeten 2010 in ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziertes Projekt des Ibero-Amerikanischen Instituts Berlin (IAI), Stiftung Preussischer Kulturbesitz. Das 1930 gegründete IAI wurde übrigens 2014 mit dem renommierten Premio ASICOM-Universidad de Oviedo für seine herausragende Vermittlungs- und Netzwerkarbeit zu Lateinamerika, der Karibik, Spanien und Portugal ausgezeichnet.

Diese Informationen sollen fürs Erste genügen. Wer nicht bis zum nächsten Bericht warten möchte, kann sich unter
http://dzk.iberoamerika-online.de
bereits etwas vorinformieren.
Andreas Schiendorfer