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Wappenscheibe der Schaffhauser Familie von Fulach

Der Museumsverein Schaffhausen übergab am 15. August 2014 anlässlich des traditionellen Begegnungsfests im Pfalzhof dem Museum zu Allerheiligen eine wertvolle Wappenscheibe aus der Zeit um 1500. Sie konnte anlässlich der Ritterturnierausstellung noch mehrere Wochen der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Das 49 cm hohe und 42 cm breite Glasgemälde, zweifellos eine Stifterscheibe aus einer Kirche, besticht durch die Qualität seiner Ausführung. Es gehört zu den ältesten erhaltenen Glasgemälden einer Schaffhauser Adelsfamilie. Derzeit sind aber weder der Stifter noch der ausführende Künstler bekannt. Das Wappen über dem betenden Ritter mit einem in Gold aufgerichteten roten Löwen und einem in Blau abgewendeten silbernen Mond ist aber eindeutig der Familie von Fulach zuzuordnen. Dieses niederadlige Geschlecht war vom 13. bis ins 17. Jahrhundert in Schaffhausen ansässig und zählte im Spätmittelalter zu den reichsten, angesehensten und politisch bedeutendsten Familien in der Region.

Über dem Wappen sitzt ein Kolbenturnierhelm, auch Bügel- oder Spangenhelm genannt. Ein weiterer Helm, ein sogenannter Schaller, steht vor dem betenden Ritter. Dieser spätmittelalterliche Helmtypus hatte sich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts aus dem Eisenhut entwickelt und war bis zum Ende des 15. Jahrhunderts der – sowohl im Feld als auch im Lanzenturnier - am häufigsten getragene Helmtyp. Die weisse Straussenfeder kennzeichnet den Ritter als Parteigänger der Eidgenossen. Bekanntlich hatte Schaffhausen 1454 ein vorerst befristetes Bündnis mit der Eidgenossenschaft geschlossen und war dem Bund nach dem Schwabenkrieg 1501 als gleichberechtigtes Mitglied dauerhaft beigetreten.

Interessant ist auch die noch unvollständige Besitzergeschichte: Die Scheibe stammt aus dem Nachlass der Baronin Charlotte de Rothschild (1825-1899) in Cernay-la-Ville, rund 50 Kilometer südwestlich von Paris. Die Baronin hatte dort 1873 die Ruinen einer ehemaligen Zisterzienserabtei in einen Landsitz umwandeln lassen, der bis 1945 in Familienbesitz blieb.

Obwohl bei der Bombardierung von Schaffhausen eine Wappenscheibe der Familie von Fulach aus dem Jahr 1521 zerstört wurde, besitzt das Museum zu Allerheiligen drei weitere Wappenscheiben der Familie: eine 1528 geschaffene Allianzwappenscheibe des Christoffel von Grüth und Anna von Fulach (Inv.Nr. 29583), eine 1542 entstandene Allianzwappenscheibe des Ulrich von Fulach und Beatrix von Waldkirch (Inv.Nr. 16406) sowie eine Allianzwappenscheibe des Hans Wilhelm von Fulach und der Veronika von Reischach aus dem Jahr 1610 (Inv.Nr. 29556).

Sachdienliche Hinweise über die Familie von Fulach und deren Wappenscheiben sind erbeten an praesident@museumsverein-sh.ch
Andreas Schiendorfer